diestadtredaktion
Donnerstag, 3. September 2026

Gedicht

Eine einsame Winternacht

Fühlt sich so Einsamkeit an?

A.W. 23. August 2026

Das Licht ist gedämmt von den grauen Vorhängen. Kalte Luft auf der Straße, Atem, der in kleinen Wolken tanzt. Die Gasse ist leer, nur vereinzelt schimmern Lichtstrahlen aus den oberen Stockwerken der Häuser. Keine Motorengeräusche, keine hellen Autoscheinwerfer, die das Dunkle der Nacht zerreißen. Die Sterne erzählen lediglich ihre Geschichte aus einer Zeit, in der nichts von all dem existiert hat, aus einer Zeit, in der die Baumkronen nur auf die braune Erde herabgeschaut haben.

Eine ruhige Winternacht, könnte man nicht gedämpft die Stimmen aus dem Haus hören. Wie das flackernde Licht, fast zu übersehen. Leises Gläserklirren, Türen, die zufallen. Das Licht im Raum erlischt, Vorhänge werden gänzlich zugezogen.

Dunkelheit.

Im nächsten Zimmer huschen stille Schatten umher, Geister, leere Seelen. So idyllisch wie diese Nacht hätte sein können, so gefährlich klingt das Fallen der Haustür, das Einrasten des Schlosses und die wütenden Schritte in Richtung Straße.

Es ist kalt, aber der Winter ist lebendiger als die Toten im Haus. Zumindest hat der Winter ein Ende, eines, das gefolgt ist von Blüten und Wärme. Aber die Zukunft dieses Hauses ist so tot wie die Insekten nach dem Herbst, alles Helle, alles Leben, mit dem Fallen der Türe gestorben. Und niemand bemerkt, dass im Inneren etwas fehlt, dass eine Lunge, ein Herz, Fleisch und Blut im Kalten steht, eine Seele, ein Leben.

Ausgesperrt, Füße und Hände ohne Gefühl, eingefroren, auf der Suche nach einem Feuer, und egal ob es die Haut verbrennt, solange es nur warmhält.