Inländer. Ausländer. Abfahrt!
In unserer Gesellschaft kursiert immer wieder der tolle Gedanke, einen Teil unserer Bevölkerung einfach auszuschließen, doch da stellt sich die Frage: „Wenn man bestimmte Menschen ausschließen möchte, warum eigentlich bei Ausländer:innen aufhören?“
Oft, wenn es um die Ausländer-Frage geht, wird mit dem Argument geprangert, dass man kriminelle Ausländer:innen ja abschieben müsse. Dabei sind einige Inländer:innen auch nicht ganz unschuldig. Und auch die These, dass Immigrant:Innen den Österreicher:innen die Arbeitsplätze stehlen würden, ist nur teilweise richtig, da Einwander:innen Arbeitsplätze füllen, die sonst unterbesetzt wären und essenziell im Kampf gegen den Fachkräftemangel sind. Woher nehmen wir uns also das Recht, eine bestimmte Gruppe für Missetaten zu bestrafen. Die einzig logische Lösung nach dieser Denkweise wäre es, einfach alle Bürger:innen abzuschieben.
In diesem Gedankenexperiment werden also alle sich momentan in Österreich befindlichen Bürger:innen abgeschoben, wodurch die absolute Bevölkerungszahl auf 0 sinken würde. Außerdem dürfen in weiterer Folge keine neuen Personen in das Land immigrieren. Österreich ist jetzt also völlig abgesperrt. (Es handelt sich nur um ein Gedankenexperiment und kein tatsächliches Szenario oder Ähnliches)
In erster Linie würden sich die Anzahl der Verbrechen von einem Tag auf den anderen völlig in Luft auflösen. Ohne Bevölkerung auch keine Verbrechen mehr. Es bleiben schließlich weder Opfer noch Täter:innen über. Beinahe alle anderen Länder würden uns für solche bahnbrechenden Statistiken beneiden.
Aber auch Arbeitslosigkeit würde keine Rolle mehr spielen. Niemand wäre arbeitslos und Österreich würde in einen Zustand der Vollbeschäftigung übergehen mit einem Rekordprozentsatz an Beschäftigten, wie es ihn noch nie zuvor in der Geschichte gegeben hat (wenn man die Zeit vor der Entstehung der Menschen nicht einbezieht). Ach, wäre das nicht herrlich.
Von diesem Umstand am meisten profitieren würde jedoch unsere Umwelt. Keine Vermüllung der Natur, keine Abholzung der Wälder und vor allem kein Ausstoß von menschengemachtem CO2 mehr. Endlich hätten wir den Zustand erreicht, von dem grüne Aktivist:innen schon seit Jahrzehnten träumen.
Doch hier hört der Spaß noch nicht auf. Ohne Einwohner:innen hätten wir auch ein für alle Mal den Kampf gegen die Armut besiegt und es gäbe endlich einen Staat, in dem das Vermögen absolut gleichmäßig verteilt wäre.
Zu guter Letzt wäre ohne Bewohner:innen das gigantische Budgetproblem des österreichischen Staates endlich behoben. Die Kosten sinken auf ein Minimum und die überbleibenden ~430 Mrd. Euro Schulden können bestimmt von den zurückgelassenen Besitztümern der einstigen Einwohner:innen Österreichs getilgt werden. Alles klingt also nach dem perfekten Staat. Oder vielleicht doch nicht?
Nun blicken wir also auf ein Land mit makellosen Kriminalstatistiken, eine aufblühende Umwelt und ausreichend Jobs für alle. Ist das nicht schön? Naja, irgendwie ziemlich einsam hier. Was bleibt denn dann noch über? Österreich ohne Österreicher? Ein Land ohne ein Volk ist doch eigentlich nichts weiter als ein Fleck Erde, der ziellos im All herumtreibt. Wir sind es doch, die diesem Fleckchen eine Bedeutung geben und versuchen, daraus Großes zu schaffen. Und dazu gehören nun mal nicht nur Alt-eingesessene-hardcore-Österreicher:innen, sondern eben auch neu zugewanderte Menschen.
Abgesehen davon, macht uns die Tatsache, dass wir ein multikulturelles Land sind, nicht überhaupt erst zu denen, die wir sind, nämlich ein friedliches, gastfreundliches Volk im Herzen von Europa? Auch wenn wir in der Geschichte (KuK-Monarchie/Nationalsozialismus) anderen Kulturen nicht immer so freundlich gegenüberstanden, wäre es nicht zumindest ein Versuch wert, diese Chance für uns zu nutzen, anstatt wieder als Verlierer hervorzutreten? Auch wenn es nicht leicht wird, tausende Immigrant:innen in unsere Kultur einzugliedern und ihnen unsere Werte beizubringen, zahlt sich der ganze Aufwand schlussendlich dennoch aus.
Wir kommen also zu dem Schluss: Ausländer sind wohl oder übel nicht die Einzigen, die in unserem Land Unfug anstellen, auch wenn das nicht so einprägsam klingt wie die Ursache aller Probleme auf andere ethnische Gruppen zu schieben. Genauso wie Österreich ohne Österreicher nicht Österreich wäre, müssen wir uns mit dem Gedanken abfinden, dass wir ohne Ausländer:innen einen Teil von dem verlieren würden, der uns überhaupt erst ausmacht.