diestadtredaktion
Donnerstag, 24. September 2026

Analyse

Die Demografie-Lüge: Warum nicht die Pensionisten egoistisch sind, sondern die Verfechter der Mehrarbeit

Fünffache Produktivität, aber arbeiten bis zum Umfallen? Die angebliche Pensionslücke ist kein Demografieproblem, sondern klassischer Mehrwertdiebstahl. Konradin Grundel rechnet mit der neoliberalen Täter-Opfer-Umkehr ab.

Konradin Grundel 19. September 2026

Wenn in der allzu häufig geführten Debatte um das österreichische Pensionssystem von „Generationengerechtigkeit“ und „mathematischer Unmöglichkeit“ gesprochen wird, dauert es meist nicht lange, bis eine ganze besondere Keule geschwungen wird: Weil die Lebenserwartung seit den 1950ern gestiegen ist, das gesetzliche Pensionsalter aber bei 65 stagnierte und der Staat rund 16,1 % seines Budgets zuschießen muss, sei die Bevölkerung „egoistisch“, wenn sie nicht freiwillig bis zum Umfallen weiterschuften will. Es wird gefordert, das Pensionsalter anzuheben und länger zu arbeiten, jedenfalls garniert mit dem Vorwurf, 90 Prozent der Menschen fehle es an Empathie für die jüngere Generation. Doch konfrontiert man dieses Klagelied mit einer einfachen gezielten materiellen Analyse und tatsächlichen, offiziellen Daten der Wirtschaftsstatistik, löst sich das Argumentationsgebäude recht schnell als das auf, was es ist: eine wirklich billige Täter-Opfer-Umkehr und nichts weiter.

Abb.:1

Die mathematische Demontage der Rentenkrise

Die neoliberale Ökonomie tut zumeist so, als sei das Pensionssystem eine isolierte Portokasse, bei der oben nur das herauskommen kann, was unten an direkten Beitragszahlungen aus den Löhnen eingeworfen wird. Die Gesamtwertschöpfung einer Gesellschaft teilt sich jedoch bei genauer Betrachtung, und Verzicht auf diese vulgäre Ökonomie in drei Komponenten auf: das konstante Kapital (c) (Maschinen, Rohstoffe, Technologie), das variable Kapital (v) (die Löhne der Beschäftigten) und den erzeugten Mehrwert (m), der über die reinen Lohnkosten hinausgeht. Die Formel für den Gesamtwert einer Volkswirtschaft lautet somit dann:

Verfechter von Kürzungen greifen zum selben Trick indem sie ihren Blick lediglich auf die Beitragszahlungen aus den Löhnen (v) werfen aber den gewaltigen Zuwachs des erzeugten Mehrwerts (m) sowie die Entwicklung der technischen Ausstattung (c/v) ignorieren.
Dabei entlarven die Zahlen der bürgerlichen Wirtschaftsforschungsinstitute die Behauptung, die Rechnung könne sich „niemals ausgehen“ völlig von selbst. Seit 1955, also dem Jahr, auf das sich die allermeisten Kritiker beim Pensionsalter von 65 Jahren berufen hat sich die reale Arbeitsproduktivität pro Arbeitsstunde in Österreich nach Daten der Statistik Austria und des WIFO durch den Einsatz moderner Technologien (c) mehr als verfünffacht, verfünffacht! Allein seit den 1990er-Jahren stieg die Bruttowertschöpfung pro Stunde um über ein Drittel. Zählt man man nun eins und eins zusammen kommt man wohl recht schnell zu dem Schluss, dass ein einziger Beschäftigter heute logischerweise pro Stunde im Schnitt den materiellen Wert von fünf Arbeitskräften aus dem Jahr 1955 erzeugt.
Durch diesen so gewaltigen Produktivitätsfortschritt ist die notwendige Arbeitszeit, die eine Gesellschaft braucht, um ihren eigenen Lebensunterhalt (v) und die Versorgung der NichtErwerbstätigen zu sichern, drastisch geschrumpft. Wenn die absolute Produktivität um über 500 % hochschießt, die Lebenserwartung seit den 1950er-Jahren laut Arbeiterkammer und Statistik Austria aber vergleichsweise nur um ca. 25 % (von etwa 65 auf ca. 80 Jahre) gestiegen ist, erzeugt das werktätige Volk während ihrer Erwerbsphase rein mathematisch mehr als genug Wert (m), um die zusätzlichen Pensionsjahre bei voller finanzieller Absicherung absolut mühelos zu tragen. Dass der Staat heute 16,1 % seines Budgets zur Deckung der Pensionen zuschießen muss, liegt keineswegs daran, dass die Gesellschaft zu wenig Wert schafft. Es liegt daran, dass dieser erarbeitete Reichtum (m) über historisch gesunkene Lohnquoten, die Abschaffung der Erbschafts- und Vermögenssteuer sowie steuerfreie Kapitalerträge von den Besitzenden skrupellos abgeschöpft wird. Der staatliche Zuschuss ist kein Geschenk an „faule Bürger“, sondern lediglich die magere bürokratische Rückführung eines Bruchteils jenes Wertes, der vorher aus der Arbeitskraft gepresst wurde.

Abb.: 2, mit explizierter Zustimmung von “Kontrast” angeführt

Warum der Kapitalismus dieses Dilemma erst erzeugt

Dass das Pensionssystem überhaupt als “unbezahlbar” gilt, zeigt die grundlegende logische Fehlkonstruktion unserer Wirtschaftsordnung. Um den vermeintlichen Widerspruch zu verstehen, wieso ein so enormer Produktivitätsgewinn in eine angebliche Sozialkrise führt, hilft der Blick auf die Profitrate (p′), aus der sich das gesamte Verhalten aller Unternehmen ableitet:

Im Wettbewerbsdruck ist, wie wir alles wissen und zu spüren bekommen, jedes Unternehmen gezwungen, in immer modernere Maschinen, Automatisierung und KI (c) zu investieren, um billiger zu produzieren als die Konkurrenz, klar. Dadurch verändert sich allerdings das mathematische Verhältnis der Investitionen: Der Anteil für Technologie (c) wächst im Vergleich zu den Ausgaben für menschliche Arbeitslöhne (v). Diese sogenannte organische Zusammensetzung des Kapitals (c/v) steigt unaufhaltsam, und durch den Markt erzwungen, an.

Teilt man Zähler und Nenner der Profitratenformel durch das Lohnkapital (v), wird die fundamentale Logik schnell ersichtlich:

An dieser Umformung wird sofort greifbar, dass das exponentielle Wachstum der Maschineninvestitionen (c/v​) den Nenner aufbläht und somit die Profitrate (p′) systematisch nach unten drückt… ein Verfall, den das Kapital nur dadurch ausgleichen kann, dass es im Zähler die Ausbeutungsrate (m/v) durch das Kürzen von Löhnen und Sozialleistungen immer weiter drastisch nach oben schraubt. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass (m/v) biologische sowie zeitliche Grenzen hat (ein Tag hat 24 Stunden usw.), während (c/v) theoretisch unbegrenzt steigen könnte, darin liegt auch der Grunde des Widerspruches.

An dieser Stelle drängt sich jetzt eine klar entscheidende Frage auf: Warum schaffen Maschinen eigentlich keinen neuen Wert, sondern nur menschliche Arbeit? Dass nur menschliche Arbeitskraft Wert und Mehrwert (m) erzeugen kann, klingt auf den ersten Blick unlogisch, lässt sich aber physikalisch-ökonomisch einfach belegen: Eine Maschine, völlig egal wie komplex oder effektiv, überträgt über ihre Betriebsdauer hinweg exakt nur jenen Wert auf das Endprodukt, den sie selbst in ihrer Herstellung gekostet hat plus ihre Betriebskosten (Strom, Wartung). Der Hersteller der Maschine verlangt auf dem Markt ihren vollen Preis. Verschleißt eine 100.000-Euro-Maschine nach 100.000 Produkten, stecken demnach in jedem Teil genau 1 Euro Maschinenwert. Die Maschine fordert aber natürlich keinen Lohn und konsumiert ebenfalls keine Güter, sie kann aber auch keine neue gesellschaftliche Arbeitszeit erschaffen.

Menschliche Arbeitskraft ist die einzige Ware im gesamten Wirtschaftssystem, deren Gebrauchswert darin besteht, mehr gesellschaftlichen Wert zu erzeugen, als ihre eigene Herstellung und Erhaltung (der Lohn (v)) kostet. Ein Arbeiter stellt in vier Stunden den Gegenwert seines Tageslohns her; in den restlichen vier Stunden arbeitet er weiter und schafft den Mehrwert (m).

Weil somit Wert und Mehrwert (m) exklusiv durch lebendige menschliche Arbeit geschaffen werden, führt das exponentielle Wachstum von (c) im Nenner dazu, dass die Profitrate (p′) der Unternehmen langfristig unter Druck gerät. Um diesen Verfall auszugleichen, versucht das System ständig und verzweifelt an zwei Schrauben zu drehen:

  1. Der Anteil der Löhne (v) am Gesamteinkommen wird gedrückt, während die Ausbeutungsrate (m/v​) gesteigert wird.

  2. Beiträge zu den Sozialversicherungen, die ökonomisch gesehen überhaupt nichts anderes als ein Teil des variablen Kapitals (v) zur Lebenshaltung der Arbeitskraft sind, werden als “schädliche Lohnnebenkosten” abgestempelt und gekürzt.

Hier schließt sich nun endlich der Kreis. Während die Automatisierung den menschlichen Arbeitsaufwand pro Produkt minimiert, schrumpft im gesamten System der Anteil des Geldes, der als Lohn (v) ausgezahlt wird und direkt in die Pensionskassen fließt. Die Kassen leeren sich nicht, weil die Menschen zu lange leben oder zu faul werden, sondern weil der Kapitalismus das Verhältnis von Maschinen zu Menschen so verschiebt, dass der erwirtschaftete Reichtum am beitragszahlenden Lohnkanal vorbeigeleitet wird.

Dass das Pensionssystem überhaupt in diese Schräglage gerät, ist demnach überhaupt nicht irgendein demografisches Problem. Es ist das Resultat einer veralteten Finanzierungslogik. Das System koppelt die Sozialversicherungen stets und starr an den Lohnkanal (v), während die kolossale Wertschöpfung längst automatisierungs- und technologieintensiv über den Mehrwert (m) erfolgt.

Veranschaulichen wir diesen Widerspruch anhand eines einfachen Modells:

Da diese Logik doch recht theoretisch und abstrakt wirkt, stellen wir uns einmal eine Volkswirtschaft vor, die nur aus zwei Sektoren besteht: Brotproduktion und Pflege, nennen wir sie dazu die „Brotnation“. In den 1950ern arbeiten in der Brotnation 10 Bäcker per Handarbeit und 10 Pflegekräfte. Bei durchschnittlichem Bruttolohn von 2.000 € und einem Sozialversicherungsbeitrag von 20% zahlt jeder Beschäftigte demnach 400 € in die Pensionskasse ein. Also: verlässliche Gesamteinnahmen von 8000 € (400 € x 20). Das System befindet sich hier noch in einem mehr oder minder stabilen Gleichgewicht, da der gesellschaftlich erzeugte Reichtum fast vollständig an menschliche Arbeitskraft und somit auch an den Lohnkanal (v) gebunden ist. Noch.

Heute jedoch ist die Bäckerei hochautomatisiert. Dank moderner Robotertechnik und entwickelten Maschinen (c) erzeugt ein einziger Techniker nun das Fünffache der ursprünglichen Brotmenge, während die anderen neun Beschäftigten in den Pflegesektor wechseln, um den Bedarf der alternden Gesellschaft zu decken. Der reale Güterreichtum jener Brotnation ist nun riesig, doch das Beitragssystem bricht ein: Zwar arbeiten nach wie vor 20 Menschen in der Brotnation (1 Techniker, 19 Pflegekräfte), doch die Abgabenbasis bleibt starr an deren Lohnsumme (v) gekoppelt. Angenommen, der Techniker verdient nun 3.000 € und die 19 Pflegekräfte je 2.000 €, so fließen weiterhin nur 8.200 € an Beitragszahlungen in die Kasse (600€+19×400€).

Jetzt wird das Paradoxon endlich greifbar, denn obwohl das Land im erzeugten Güterreichtum schwimmt, droht der Pensionskasse schlichtweg die Pleite. Wenn die Bäckerei ihren Umsatz durch die Automatisierung von 40.000 € auf 200.000 € im Monat verfünffacht, die Lohnkosten aber durch den Personalabbau von 20.000 € auf 3.000 € sinken, entsteht beim Besitzer ein gewaltiger Reichtumszuwachs in Form von Profit (m). Doch von diesen verbleibenden 197.000 € der Bäckerei fließt über die klassische Lohnabgabe kein einziger Cent in das System. Die Pensionskasse leert sich somit keineswegs wegen der Demografie, sondern weil das Finanzierungsmodell starr am schrumpfenden Lohnkanal (v) hängt, während der gigantische Reichtum aus der Automatisierung als privater Gewinn beim Eigentümer verbleibt, anstatt die gesellschaftliche Versorgung zu sichern.

Die alte neoliberale Schutzbehauptung und Realität

An dieser Stelle ertönt wie gewöhnlich das neoliberale Geschrei: „Aber der Unternehmer musste die Roboter doch teuer bezahlen!“ oder „Eine Besteuerung von Maschinen zerstört die Wettbewerbsfähigkeit!“

Diese Einwände halten einer ökonomischen Prüfung allerdings nicht stand. Selbst nach Abzug sämtlicher Anschaffungs- sowie jeglicher Instandhaltungskosten (c) verbleibt durch den enormen Produktivitätssprung ein gewaltiger Netto-Gewinn. Dass dieser Reichtum nicht zur Finanzierung der gesellschaftlichen Infrastruktur… wie dem Pensionssystem… herangezogen werden dürfe, ist keine ökonomische Notwendigkeit, sondern eine politische Entscheidung zum Schutz privater Profite.

Das andere Argument der Kapitalflucht stellt sich dabei als reine Drohung heraus: Weder lässt sich die Pflege alter Menschen ins Ausland verlagern, noch gibt ein hochprofitabler, automatisierter Betrieb einen funktionierenden Binnenmarkt auf, solange ihm auch nach Abgabe der Wertschöpfung ein attraktiver Gewinn verbleibt.

Fazit

Will man das System also zukunftssicher machen, so müsste nicht das Pensionsalter angehoben, sondern die Abgabenbasis von den reinen Löhnen auf die gesamte Wertschöpfung, inklusive Kapital- so wie Maschinengewinnen, ausgeweitet werden.

Der Kapitalismus verwandelt hiermit einen wirklich großartigen gesellschaftlichen Erfolg, also, dass wir durch Technologie weniger schuften müssten und älter werden, in eine vermeintliche “Finanzkrise”. Er kann mit dem erzeugten Wohlstand nichts anfangen, außer ihn als privaten Profit anzuhäufen, und verlangt von der Bevölkerung, dieses reinsystemisch-mathematische Versagen mit noch mehr Arbeitsjahren zu kompensieren. Die Markt-liberale Position und all ihre Demagogen sollten die Wahrheit ihrer Haltung und ihres Handelns ehrlich deklarieren; sie stehen auf der Seite der Besitzer, der des Großkapitals, der der Ausbeuter unserer Erde.

Abb.: 3, mit explizierter Zustimmung von “Kontrast” angeführt

Die Täter-Opfer-Umkehr: Wer schützt hier wen?

Es gehört eine atemberaubende Verblendung, bestimmt auch etwas Ignoranz dazu, die arbeitende Bevölkerung als „rücksichtslos“ oder „egoistisch“ abzustempeln, nur weil sie nach vier Jahrzehnten Erwerbsleben nicht freiwillig bis zur totalen Erschöpfung weiterarbeiten möchte. Die Behauptung, den Menschen sei das Wohl zukünftiger Generationen egal, verkehrt Ursache und Wirkung ins absolute Gegenteil. Die arbeitenden Menschen (jene, die Pflegewohnheime betreiben, Infrastruktur erhalten, Logistikketten sichern und den materiellen Reichtum des Landes überhaupt erst erzeugen) werden als „unempathisch“ deklariert, weil sie nicht bis zum biologischen Tod am Förderband stehen wollen.

Gleichzeitig wird versucht, diesen Angriff auf den Wohlfahrtsstaat als Konflikt zwischen den Generationen zu verkaufen: Die Jugend müsse angeblich für die Seniorinnen und Senioren bluten. Das ist das älteste und eigentlich billigste spalterische Märchen der konservativen und reaktionären Ideologie: Man hetzt die jüngere Generation einfach gegen die ältere auf, damit beide vergessen, wer den erwirtschafteten Reichtum, also den Mehrwert, tatsächlich einstreicht. Die Belastung der Jüngeren entsteht nicht durch die Pension der lieben Großmama, sondern durch die absolute Verweigerung der Kapitalseite, sich auch nur minimal angemessen an den gesellschaftlichen Reproduktionskosten zu beteiligen.

Zudem wird die sozialökonomische Realität der Lebenserwartung völlig ausgeblendet: Laut Auswertungen derArbeiterkammer unterscheidet sich die fernere Lebenserwartung ab 65 Jahren zwischen den obersten zehn Prozent der Einkommensbezieher und der untersten Einkommensgruppe in Österreich um ganze sieben Jahre. Eine pauschale Anhebung des Antrittsalters in die Pension ist mathematisch nichts anderes als eine verdeckte Pensionskürzung: Während Schreibtischberufe oder Führungskräfte auch mit 67 Jahren noch beschwerdefrei arbeiten können, sind Bauarbeiter, Pflegekräfte und Reinigungskräfte nach 40 Jahren Schicht- und Schwerstarbeit körperlich ganz einfach verschlissen und „aufgebraucht“. Sie werden durch höhere Altersgrenzen nicht länger in Beschäftigung gehalten, sondern direkt in Abschläge und dann schließlich Altersarmut getrieben.

Der gesellschaftliche und technologische Fortschritt müsste im 21. Jahrhundert im Hinblick auf Vollautomatisierung, Digitalisierung und Rekordgewinnen eigentlich dazu führen, dass alle Menschen drastisch weniger arbeiten und früher ihren Ruhestand genießen können. Wer stattdessen behauptet, die Bevölkerung müsse im Zeitalter von Mikrochips und super-KI länger malochen als ihre Großeltern im Wiederaufbau, betreibt beim bestem Willen keine sachliche Finanzanalyse. Es ist am Ende wieder der Versuch, den Menschen von der Wiege bis zur Bahre rein als Anlagegut zur Verwertung von Kapitalrenditen zu reduzieren… die Frage wer denn hier wirklich Egoist sein soll, müsste sich erneut gestellt werden.

Abb.: 4, unter Creative Commons BY-SA 4.0. von “Momentum Institut” angeführt

Dass dieses ständige Lamento über angebliche „Finanznöte“ und „überforderte Sozialkassen“ nichts weiter als eine vulgärökonomische Nebelgranate zur Deckung des Großkapitals ist, das belegt die obige Grafik des „Momentum Instituts“ (Abb. 4) auf Basis offizieller EZB-Daten wohl einleuchtend: Mit einer Spitze von 55 Prozent!! des gesamten privaten Nettovermögens in den Händen der reichsten 5 Prozent der Haushalte, gegenüber mickrig und verschwindenden 4 Prozent für die gesamte untere Hälfte der Bevölkerung führt Österreich die Rangliste der gesellschaftlichen Fäulnis und Vermögenskonzentration im Euro-Raum ganz und gar stolz an. Wer vor dieser handfesten Klassenrealität den Arbeitern noch mehr Erwerbsjahre abpressen will, anstatt diesen durch ihre, und nur ihre, eigene Hände Arbeit akkumulierten Reichtum konsequent zur Finanzierung der Sozialsysteme zu vergesellschaften, betreibt überhaupt keine ehrliche Finanzpolitik, sondern steht schlicht dort, als entlarvter Sykophant, als bloßgestellter „Stiefellecker“ im Dienst dieses reichsten Zwanzigstels.

„Das ökonomischste Mittel zur Ersparnung von Arbeit wird so zum unfehlbarsten Mittel, alle Lebenszeit des Arbeiters und seiner Familie in feilbietbare Arbeitszeit für die Verwertung des Kapitals zu verwandeln.“

Karl Marx, Das Kapital. Band 1, MEW 23, S. 417

Abb.: 5

Abbildungsverzeichnis:
Abb. 1: https://www.cartooningcapitalism.com/cartoons-for-socialism2

Abb. 2: https://kontrast.at/wp-content/uploads/2020/08/loehne-produktivitaet-oesterreich, dankend unter explizierter Zustimmung von “Kontrast” angeführt

Abb. 3: https://kontrast.at/wp-content/uploads/2019/04/lohnquote, dankend unter explizierter Zustimmung von “Kontrast” angeführt

Abb. 4: https://www.momentum-institut.at/grafik/oesterreich-hat-hoechste-vermoegensungleichheit-der-eurozone/, dankend unter Creative Commons BY-SA 4.0. von “Momentum Institut” angeführt

Abb. 5: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/94/Marx3.jpg?utm_source=de.wikipedia.org&utm_campaign=index&utm_content=original

Weiterführende Ressourcen