diestadtredaktion
Sonntag, 25. Oktober 2026

Kommentar

Pete Hegseth und der Feind im Inneren des US-Militärs

Die Trump Administration versucht seit gut 2 Jahren das amerikanische Militär auf Linie zu bringen und auf einen Konflikt mit einem inneren Feind einzuschwören. Doch wer ist eigentlich dieser Feind?

Hubertus Anonymus 22. Oktober 2026

Wenn der US Verteidigungsminister die meisten hohen Offiziere zu einer Zusammenkunft ruft, dann scheint Wichtiges besprochen zu werden. Doch als “Kriegsminister” Pete Hegseth am 30. September 2025 eben dies tat, wurde die Führungscharge mit einer Rede konfrontiert, in der Hegseth darauf pochte, man müsse sich auf einen Kampf mit “inneren Feinden” vorbereiten1​. Dies ist für den überzeugten Kulturkrieger Hegseth nichts ungewöhnliches. Die von ihm unlängst vorgeschlagene öffentliche Videoübertragung eines Erschießungskommandos ist nur der letzte Publicity-Stunt in einer langen Reihe von Aktionen um “Wokeness” im Militär zurückzudrängen. Etwas, was sich der oberste Krieger zum ganz großen Ziel gesetzt hat.2​

Peter Brian Hegseth wurde in Minnesota geboren und studierte auf der Elite Uni Princeton, bevor er sich in den Militärdienst begab und in Irak und Afghanistan diente. Im Zuge seines Einsatzes im Irak erhielt er sogar die Bronze Star Medaille und stieg bis in den Rang eines Majors auf. Hegseth, welcher seit 2014 für den republikanischen Haus- und Hofsender Fox News arbeitete, ist zudem ein tiefst ideologischer Mensch und schrieb 2 Bücher, in welchen er die USA als von allen Seiten durch Islamisten und verräterischen Linksextremisten bedroht sieht, während die US-Armee durch “woke” und antiextremistische Regelungen von innen zerstört werden würde. Trotz eines Alkoholproblems, Vergewaltigungsvorwürfen und seiner vergleichsweise mangelnden Erfahrung wurde Hegseth trotz der Gegenstimmen von drei Republikanern haarscharf vom Senat als Verteidigungsminister bestätigt.

Während sich Hegseths Vorgänger alle mehr oder weniger apolitisch verhielten, begann der frisch gebackene Minister sofort damit das Militär zum Schauplatz seines Lieblingsthemas zu machen: dem Kulturkampf. Hegseth begann damit, ihm unangenehme Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums zu feuern und durch Loyalisten zu ersetzen.3​ Des Weiteren beschuldigten ihn feministische und bürgerrechtliche Bewegungen, Beförderungen von Afroamerikanern und Frauen zu verhindern, da diese nicht in Hegseths Weltbild passen würden.

Die US-Demokratie hat allerdings Glück, denn Trumps Mann im Pentagon schießt sich durch seine Inkompetenz beim Versuch die Armee auf Linie zu bringen ziemlich in den eigenen Fuß. Die versehentliche Inklusion eines Reporters in einem vertraulichen Chatverlauf, der immer sicherer in die Niederlage abschlitternde Krieg im Iran und die schrecklichen Konditionen auf der USS Lincoln (auf welcher sich aufgrund der schlechten Sanitär- und Versorgungssituation 8 Segler das Leben nehmen wollten)4​ bilden hier nur die Spitze des Eisbergs. Jedes dieser Desaster würde wohl reichen um das Vertrauensverhältnis zwischen dem Verteidigungsminister und den Truppen komplett zu zerstören. Jedoch ist den meisten Generälen und Admirälen mittlerweile bewusst, dass sie in ihrem Streben nach einem kompetenteren Chef im Weißen Haus und im Kongress wohl auf taube Ohren fallen würden. Deshalb machen sie gute Miene zu Hegseths bösem Spiel und versuchen einfach ihre Positionen zu behalten und das Militär nicht den Freaks der amerikanischen Rechten zu überlassen.

Eine totale Übernahme des Militärs durch Trump-Loyalisten ist also unwahrscheinlich, da kaum ein hochrangiger Offizier lieber dem Kriegsminister, unter dessen Aufsicht das Militär durch Inkompetenz und Kulturkrieg verkommt, als der Verfassung auf die er seinen Eid geschworen hat, folgen wird. Doch trotzdem ist Hegseths Arbeit das US Militär auf Linie zu bringen höchst bedenklich und mitunter ein Grund warum Hegseth, der auch bei vielen Republikanern unbeliebt ist, ganz oben auf der Abschussliste der Demokraten nach den Midterms steht. Zwar ist eine erfolgreiche Amtsenthebung in etwa so wahrscheinlich, wie eine spontane Reanimation John F. Kennedys, (Um 66 erforderliche Stimmen im Senat zu erhalten müssten Demokraten alle außer 5 Sitze diesen Zyklus gewinnen) doch können Demokraten den “Kriegsminister” mit der Macht über die Finanzen des Staates und Blockieren von Anordnungen deutlich in die Schranken weisen.

Doch bereits jetzt steht fest, dass Hegseth seine Umkrempelung des Militärs weiter vorantreiben wird. Wie ein Krebsgeschwulst könnten sich Offiziere, die ihre Stellung nur Hegseth und Trump verdanken festsetzen und so dem nächsten Demokratischen Verteidigungsminister einen sehr echten inneren Feind hinterlassen, der aktiv daran arbeitet die Verfassungsordnung in den USA außer Kraft zu setzen.