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Donnerstag, 24. September 2026

Kommentar

Motivation, Disziplin oder doch lieber keins von beiden?

Sport. Lernen. Aufräumen. Spazieren gehen. Lesen. Kochen. Arbeiten. Man kann immer etwas machen, das Leben hat unendliche Möglichkeiten, denen begrenzte Zeit gegenübersteht. Und doch geht oft so viel Zeit verloren. Was hilft also?

Lorenz Unger 20. September 2026

Jeder kennt es: Man hat sich groß vorgenommen, dass dieses Wochenende endlich was gemacht wird. Weil man weiß ja, eigentlich gehts einem nach der Radrunde besser. Und die Wohnung aufzuräumen dauert einmal 30 Minuten, aber dann ist es getan. Aber all zu oft ist dann doch plötzlich der halbe Tag weg, und weitergegangen ist nur die Netflix-Serie, oder 85 Insta-Reels.

Egal, passiert jedem mal. Jetzt ist man dafür draufgekommen, das Handy wird weggelegt, Musik geht an, und man kommt endlich zum Aufräumen. Voller Energie, weil den Rest des Tages will man ja nutzen. Bücher werden verstellt, alte Zettel kommen endlich weg, der Sessel wird von Kleidung befreit, und vielleicht wird sogar das Bett gemacht. Und man nimmt sich großes vor: Morgen wird der Wecker früh gestellt, eine Laufrunde, und dann endlich lernen!

Der klassische Motivationsschub. Energetisierend, hilfreich, und langfristig ein Desaster. Weil am nächsten Morgen ist das Hoch schon wieder weg. Vielleicht zieht man die Laufrunde noch durch, vielleicht macht danach sogar noch mit Staubwischen weiter. Aber spätestens wenn etwas nicht so läuft wie’s sollte fliegt man wieder raus. Man ist auf einmal wieder den halben Tag nur auf Disney+ und denkt sich “jetzt ist’s eh scho wurscht”. Motivation alleine kann daher nie als Grundlage für langfristige Verbesserung dienen, denn sie bleibt nie.

Was bleibt denn fragt man sich? Weil man muss ja etwas machen, die Welt hat so viel zu bieten und man selbst so viel Potential! Jetzt wird irgendwann der Schlaue dasitzen und sagen: “Ich brauch nur einen Plan!”. Statt einzelner Motivationsschübe wird jetzt ein klares Regiment ausgearbeitet, ja nicht zu viel auf einmal, weil man muss sich ja ab jetzt durchgehend daran halten!

Bald steht der Plan: Sport, das Aufräumen, Lernzeiten, auch Zeit zum runterkommen, alles ist tip-top eingeteilt. Jetzt gilt es nur noch, sich daran zu halten. Das funktioniert auch. Für einen Tag, zwei, drei, vielleicht auch vier, fünf oder sechs. Aber irgendwann bröckelt es. Etwas kommt dazwischen, man hat am Abend davor nicht gut einschlafen können oder an dem einen Abend geht man vielleicht doch statt der Laufrunde mit Freunden fort. Einmal ist bekanntlich keinmal, aber zweimal ist einmal zu viel, und beim dritten Abweicher sind die meisten bereit, den Rhytmus wieder fallen zu lassen.

Sie sind einem Trugschluss zum Opfer gefallen: Dem schönen Gedanken der Disziplin. Disziplin ist gefährlich, gerade weil sie so logisch erscheint. Man fühlt sich so viel schlauer, wenn man gemäßigte Pläne ausarbeitet die nur noch verlangen, dass man sie über Tage, Wochen oder Monate auch tatsächlich durchführt. Dazu kommt ein weiteres großes Problem mit Disziplin: Perfektionismus.

Wenn man jede Woche zweimal Sport machen will, das einen Monat lang schafft, und dann mal eine Woche verpasst, würde jeder außenstehende sagen: “Ist ja egal, mach einfach nächste Woche weiter, ist ja nix passiert!”.  Aber leider funktioniert das eigene Hirn selten so, und das Aufgeben ist dann doch oft so viel einfacher.

Dieses Phänomen ist ein häufiger, aber gravierender Denkfehler. Denn: “Some progress ist better than none”, wenn man nur die Hälfte vom Plan umsetzt, ist das noch immer viel besser, als diesen wieder aufzugeben.

So ist weder Motivation noch Disziplin ein Allheilmittel, und das Geheimnis eines Lebens voller Tatendrang noch immer nicht ergründet. Und leider wird es das in diesem Artikel auch nicht mehr, sitzt der Autor während des Schreibens doch in einem Zimmer aus dem er gerade so halb ausgezogen ist, und deswegen schon keinen Schreibtisch mehr hat, während aber auch Motivation und Disziplin gefehlt haben, die neue Wohnung endlich fertig einzurichten.

Doch sicherlich wird sich das morgen ändern, denkt er sich, und schließt den Artikel mit den motivierenden Worten, mit denen er begonnen hat: Das Leben hat unendliche Möglichkeiten. Tun wir unser Bestes, sie alle wahrzunehmen, auch wenn uns vielleicht hin und wieder eine Stunde verloren geht.